Die Gemeinschaft macht den Unterschied

Coworking als Teil von Wohnprojekten wird nicht dauerhaft von den Folgen der Covid19-Epidemie bedroht. Zum diesem Schluss kamen die Teilnehmer des Wohnprojekt-Treffens am 11. Juni 2020, das cohabitat.lu mit Unterstützung der gemeinnützigen Luxemburger Wohngenossenschaft adhoc veranstaltet hat.

14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zu der als reine Video-Konferenz organisierten Veranstaltung zusammengekommen. Darunter Architekten, Vertreter von sozialen Organisationen, Betreiber von coworking spaces und künftige Bewohner aus Wohnprojekten. Sie alle beschäftigten sich mit der Frage, ob Wohnprojekte vor Veränderungen stehen, weil die Kontaktbeschränkungen im Nachgang der Gesundheitskrise die Konzepte zum gemeinschaftlichen Arbeiten in den Wohnprojekten in Frage stellen.

Einig war sich die Runde darüber, dass coworking durch die Kontaktbeschränkungen nur unwesentlich beeinträchtigt wird. Das gilt in einem Wohnprojekt auch dann, wenn zwischen den Bereichen für gemeinschaftliches Arbeiten und den eigentlichen Wohnbereichen eine enge Verbindung und auch reger Personenaustausch stattfindet. Denn die nötigen Abstandregeln und verminderte Besucherzahlen stellen das Konzept nicht in Frage. Mobile Trennwände, die Reduzierung der Arbeitsplatzzahl und die Begrenzung der Personenzahl bei meetings haben zwar wirtschaftliche Einbussen zur Folge. Diese Einschränkungen der physischen Kontakte haben jedoch keine Einschränkungen bei den sozialen Kontakten zur Folge, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig.

Wie es sich im Verlauf der Diskussion herausstellte, ist durch den ausgelösten Trend zum home office sogar eine Stärkung der Gemeinschaft absehbar. Weil Fahrten zu einem externen Arbeitsplatz entfallen, nimmt die verfügbare Zeit für Familie und Mitbewohner zu. Sie wird für den Ausbau der sozialen Kontakte genutzt, wovon auch der häusliche Arbeitsbereich profitiert: auch auf Arbeitsebene wird der Austausch intensiver, Ideen werden geteilt und die Arbeitsatmosphäre erhält positive Impulse.

Eine Absage allerdings erteilten die Teilnehmer dem Trend zum homeoffice, bei dem die eigene Wohnung und im günstigsten Fall ein eigenes Arbeitszimmer für die reguläre Arbeit genutzt wird. Denn hier, so berichteten verschiedene Diskussions-Teilnehmer, würden die Konflikte bei der Trennung zwischen Beruf und Familienleben viel Energie beanspruchen – Energie, die beim Arbeiten in einem gemeinsamen räumlichen Arbeitsbereich im Wohnprojekt gar nicht erst aufgebracht werden muss.

Davon profitieren sogar Menschen, die aufgrund ihrer sozialen Stellung üblicherweise eher in handwerklichen, als in Büroberufen arbeiten. Denn die positiven Effekte eines engen persönlichen Austauschs und die Präsenz im coworking-Bereich wirken sich auf das gesamte soziale System des Projektes aus. Auch soziale Organisationen, hiess es aus der Runde, befürworten daher gemeinsame Arbeitsflächen in einem Wohnprojekt. Auch wenn ihre Klientel dort höchstens einmal für das Schreiben und Ausdrucken eines persönlichen Briefes gesehen werden wird.

Die Architektur, so hiess es beim Treffen, werde baulich kaum vor Probleme beim Konzipieren von coworking spaces in Wohnprojekten gestellt. Entsprechende Räumlichkeiten für Gemeinschaftsbüros mit angeschlossenen individuellen Räumlichkeiten und Möglichkeiten für meetings und kleine Konferenzen liessen sich ohne grossen Zusatzaufwand auch auf den nötigen Gesundheitsschutz hin planen. Viel wichtiger sei es dagegen, die Bürobereiche sehr behutsam von den Wohnbereichen zu trennen. Denn wenn die Büros auch als Kinderspielplatz locken oder die Hausbewohner dort regelmässig ihren Kaffee holen, wird es für konzentriertes Arbeiten schon einmal schwierig.

Die Gemeinschaft macht den Unterschied, war dann auch das Résumé der Veranstaltung. Die positiven sozialen Auswirkungen von mehr Arbeit am Wohnort überwiegen den Mehraufwand für den groesseren physischen Abstand bei weitem. Und mit einem leichten Anflug von Neid nahm die Runde einen Bericht aus Frankreich auf. Dort wurden von den Behörden einige Wohnprojekte während der Corona-Krise als persönliche Gemeinschaften deklariert. Mit der Folge, dass die Zahl der erlaubten Kontaktpersonen sich dort an den Bedingungen für Familien und Verwandt orientierte. Die kompletten Wohnprojekte konnten daher innerhalb ihres Gebäudes ohne Beschränkungen leben – ideale Bedingungen für die soziale Gemeinschaft und für ungehindertes Arbeiten am Wohnort.